Person tankt Auto auf

Wenn der Preis steigt

Der Rheinpegel sinkt und weil nur noch halb beladene Schiffe auf dem Fluss fahren können, verteuert sich der Transport von Mineralölen. Die Preise für den Verbraucher steigen — Entspannung ist nicht in Sicht.

Dieser Text erschien im Oktober 2018 bei der Badischen Zeitung

Der Südwesten versorgt sich hauptsächlich über die Mineralölraffinerie Oberrhein (Miro) in Karlsruhe – für die Produktion dort habe der Rheinpegel wenig Bedeutung, teilte Miro mit. Denn das Rohöl gelangt über eine Pipeline in die Raffinerie. Von den daraus entstehenden Produkten werden nur 20 Prozent per Schiff verladen.


Allerdings herrscht großer Andrang in Karlsruhe. Bisher konnten Mineralölhändler im Südwesten ihre Produkte auch bei Tanklagern entlang der Rheinschiene kaufen. Weil diese nicht mehr beliefert werden, leeren sie sich aber nach und nach. Deshalb kommen mehr Händler als sonst zu Miro.

Nicht nur der Rhein ist Auslöser

Dort würden Lkw mehrere Stunden für ihre Lieferungen anstehen, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte. Die Raffinerie bestätigt den hohen Andrang. Allerdings sei der niedrige Pegel des Rheins nicht der einzige Auslöser, sagt Geschäftsführer Markus Scheib. Auch aus Bayern kämen zusätzliche Kunden. Dort ist die Bayernoil-Raffinerie ausgefallen. In der Industrieanlage in der Nähe von Ingolstadt kam es Anfang September zu einer Explosion. Der Wiederaufbau könne noch Monate dauern.
 

Für Funke kommen beide Probleme zusammen und führen zu einem rein logistischen Problem: "Die nötigen Mengen haben wir – nur bekommen wir sie nicht so schnell dorthin transportiert, wo wir sie brauchen." Betroffen seien alle Mineralölsorten: "Auch an den Tankstellen merkt man, dass die Preise steigen. "


Beim Heizöl mache sich der Preisanstieg für die Verbraucher jedoch am ehesten bemerkbar. Das liege unter anderem daran, dass Benzin über große Tankwagen an die Tankstellen geliefert wird, Heizöl hingegen jeden Tag Privatpersonen erreichen muss.
 
Weil Karlsruhe nicht den ganzen Südwesten versorgen kann und Händler auf andere Lager ausweichen müssen, wirkt sich der Engpass Richtung Norden aus. "Das ist wie ein Schneeballeffekt", sagt Funke.

Nur Teilmengen bestellen

Er rät Verbrauchern mit genügend Vorrat, zu warten, bis sich die Situation entspannt. Wer kaufen muss, sollte seinen Händler kontaktieren und Teilmengen bestellen: "1000 oder 1500 Liter, um gut über die Runden zu kommen."
 
Bis der Rhein wieder mehr Wasser führt, dürfte es noch eine Weile dauern. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtverwaltung des Bundes sagt für die Stadt Kaub voraus, dass der Rhein dort bis kommende Woche weiter auf dem historischen Tief von 27 Zentimetern bleibt. Nach diesem Pegel bemisst sich die mögliche Ladetiefe für die Frachtschifffahrt auf dem Rhein. Allerdings wird er in Ufernähe gemessen – in der Mitte ist der Rhein deutlich tiefer.

Frankreich und Schweiz zapfen Reserven an 

Im Nachbarland Frankreich bereitet das Sorgen. "Die Transportpreise im Schiffverkehr sind mittlerweile auf einem Niveau angekommen, das wir so nie hatten", sagt Olivier Boubé, Geschäftsführer von Zeller+Cie, einem Mineralölhändler in Straßburg. Der Transport aus Rotterdam koste ihn normalerweise durchschnittlich 15 Euro pro Tonne. "Heute sind wir bei fast 100 Euro angelangt."
 
Seit der Schließung der Raffinerie in Reichstett im Jahr 2011 wird das Elsass fast ausschließlich über den Rhein mit Brennstoffen versorgt. Momentan kommen sie zwar auch über Pipelines aus dem Süden Frankreichs – deren maximale Kapazitäten reichen aber nicht aus, sagt Boubé. Wie er mussten schon einige Händler deshalb die strategischen Reserven des Landes anzapfen. Sie sollen die Versorgung in einem Notfall sichern. Grund zur Panik gibt es trotzdem nicht, findet Boubé. "Die Situation ist sehr angespannt, aber nicht dramatisch."
 
Auch in der Schweiz wurde von den Vorräten Gebrauch gemacht. Dort hat der Bund rund 2,5 Prozent der gesamten Diesel-Pflichtlagermenge freigegeben. Die Firmen müssen ihre Vorräte später wieder entsprechend aufstocken.

Zu einer Unterversorgung mit Öl kommt es wohl nicht

In Deutschland werde laut Funke überlegt, sich der Ölreserven zu bedienen. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, man könne bei niedrigen Wasserständen und daraus resultierenden Einschränkungen jederzeit reagieren. Denkbar wäre eine Umlenkung des Lkw-Transports – oder die Freigabe der strategischen Reserven. Eine Unterversorgung mit Öl sei aber nicht zu erwarten.

Text: Theresa Steudel, Foto: sippakorn yamkasikorn on Unsplash